2015-12-11 Alternativer Adventskalender – Punische Kriege

Ach, man könnte ja so einiges aus der Geschichte lernen.

 

Die Karthager, von den Römern Poeni (Punier) genannt, waren ein alteingesessenes Seefahrervolk, das Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. den westlichen Mittelmeerraum kontrollierte. Karthago, gelegen im heutigen Tunesien, war zunächst eine Kolonie derphönizischen Stadt Tyros gewesen. Als Tyros aufgrund der Expansion der Assyrer, Babylonier und Perser unter Druck geraten war, gelang es Karthago im 6. Jahrhundert v. Chr., die meisten phönizischen Kolonien zu übernehmen und zur neuen Mutterstadt und Schutzmacht über diese zu werden. Früh kontrollierte die Stadt unter anderem den Westen Siziliens, ohne aber jemals die ganze Insel zu gewinnen. Vor Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. war das Verhältnis zwischen Rom und Karthago kooperativ gewesen, was sich an mehreren Verträgen ablesen lässt.

Ruinen des römischen Karthago (Antoninus-Pius-Thermen)

Nachdem das junge Römische Reich Herr über Italien geworden war, wollte es aggressiv weiter expandieren. Als Rom eine Chance erkannte, einen Brückenkopf in Sizilienzu erringen, trat Karthago diesem entgegen, weil es dadurch seine eigenen Besitzungen im Westen der Insel gefährdet sah. Dieser anfängliche Lokalkonflikt weitete sich imErsten und Zweiten Punischen Krieg in einen Kampf um die Hegemonie im westlichen Mittelmeer aus. Dieser dauerte 43 Jahre und wurde von beiden Seiten energisch und mit großem Ressourceneinsatz betrieben.

Nach dem verlorenen Zweiten Punischen Krieg setzte um 190 v. Chr. durch ein Aufblühen des Handels, intensive Plantagenwirtschaft und innenpolitische Reformen Hannibals eine wirtschaftliche und politische Erholung des karthagischen Staatswesens ein. Das ging so weit, dass Karthago bereit war, seine gesamte Kriegsschuld auf einmal zurückzuzahlen. Dies lehnte Rom ab, wohlwissend, dass Karthago so von Rom weiterhin abhängig blieb.

Karthago erfüllte auch seine Bündnispflicht gegenüber Rom und steuerte der römischen Flotte im Konflikt gegen die Seleukiden sechs Schiffe bei.

Was Karthago besonders zu schaffen machte, war die ständig von Numidien ausgehende Gefahr. Traten Grenzstreitigkeiten auf, rief das Rom auf den Plan, welches meist einseitig für Numidien Partei ergriff. Durch die Expansionspolitik Massinissas von Numidien spaltete sich die politische Schicht Karthagos in eine Rom entschieden feindlich gesinnte Partei und in Verständigungswillige, welche keine Chance darin sahen, sich gegen die einzig verbliebene mediterrane Großmacht zu stellen.

Nach erneuten Plünderungen Massinissas auf karthagischem Gebiet schlug Karthago zurück, ohne Rom vorher um die Erlaubnis zum Krieg gefragt zu haben. Diese Verletzung des Friedensvertrags von 201 v. Chr. sah Rom als casus belli (Kriegsgrund). Der römische Senat beschloss 150 v. Chr. die Zerschlagung des Karthagischen Reiches.

Einer der glühendsten Befürworter für die Zerstörung Karthagos war Cato der Ältere. Von ihm stammt angeblich der berühmte Satz: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam (Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss), welchen er nach jeder seiner Reden geäußert haben soll, auch wenn diese ein anderes Thema hatten. Die spätere römische Überlieferung behauptet, dieScipionen wären gegen eine Zerstörung Karthagos gewesen, um dem Römischen Volk stets einen Grund zur Wachsamkeit zu erhalten.

Obwohl Rom mehrmals am Rand einer Niederlage stand, gewann es aufgrund seiner letztlich überlegenen Reserven an Mensch und Material beide Kriege, wohingegen Karthago merklich geschwächt daraus hervorging. Nach dem endgültigen Triumph bei der Schlacht von Zama 202 v. Chr. lag Karthago am Boden und sah sich faktisch auf den Status eines römischen Vasallenstaates herabgesetzt, der keine unabhängige Außenpolitik mehr betreiben durfte. Gleichwohl fürchteten angeblich vor allem die römischen Konservativen unter Marcus Porcius Cato dem Älteren ein Wiedererstarken des Feindes und bevorteilten massiv Karthagos nordafrikanische Rivalen. Zudem lockte der Reichtum der Stadt. Schließlich beseitigten die Römer den karthagischen Staat im Dritten Punischen Krieg. Sie zerstörten 146 v. Chr. die Stadt selbst (dass die Römer Salz auf die Äcker streuten, um diese unfruchtbar zu machen, ist allerdings eine moderne Erfindung) und richteten die neue Provinz Africa ein. Die Stadt Karthago wurde etwa ein Jahrhundert später unter Gaius Julius Caesar jedoch neu gegründet und erlebte in den folgenden Jahrhunderten als Teil des Imperium Romanum eine erneute Blüte, die bis zum Ende der Antikeanhielt.

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