Qualitätsjournalismus – eine Tugend – keine Wahlmöglichkeit zum „Unwort“

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Die unterschiedlichsten Medien saugen gerade Balsam aus der unverdienten Wahl des Wortes „Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres.

Ein grandioses Beispiel dieses „Qualitätsjournalismus“, der den deutschen öffentlich rechtlichen „Anstalten“ und deren Anhängen scheinbar abhanden gekommen ist, konnte man jetzt live beobachten.

Der Bericht in der Tagesschau von Sonntag sollte sich besondes tief in das Bewußtsein der Zuschauer einprägen.Und dann kommt, nicht unerwartet, das Offensichtliche an den Tag: Unsere Regierungen und deren Repräsentanten haben sich feige in einer Seitenstraße von Paris zu einer Fotomontage hinreißen lassen.

Und jetzt da darüber in den „sozialen Medien“ diskutiert wird fangen die Beteiligten auch noch das lamentieren an.

http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_72485822/trauermarsch-mit-politikern-tagesschau-chef-wehrt-sich-gegen-vorwurf.html

Die „taz“ wirft in ihrem Artikel „Solidarität in der Nebenstraße“ vielen Medien eine Fehldarstellung vor, darunter der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Tagesschau“. „taz“-Chefin Pohl sagte: „Leider belegt der Umgang mit den Bildern des Pariser Marsches der Mächtigen, dass das Wort ‚Lügenpresse‘ nicht nur ein Hirngespinst der Pegida-Anhänger ist, sondern dass die Wirkung der Bilder – übrigens auch für deutsche Medienmacher – manchmal wichtiger ist als die Dokumentation der Realität.“

Paris
Hunderttausende gedenken der Anschlagsopfer
Hunderttausende gedenken der Anschlagsopfer in Paris (Screenshot: Reuters)

Im Beisein vieler internationaler Politiker haben die Menschen in Paris der Toten gedacht. Video

Dieser Satz macht Chefredakteur Gniffke „richtig sauer“. Den Vorwurf der Inszenierung hält er für „kompletten Unfug“. Wenn Politiker sich vor eine Kamera stellten, sei das immer eine Inszenierung. Ironisch entschuldigte er sich dafür, dass Kameraleute und Fotografen nicht immer einen Hubwagen zur Hand hätten. Die französische Polizei hätte ihren Job verfehlt, wenn sie Politiker und Menschenmassen „fröhlich gemischt“ hätte.

Und weiter: Kein Foto zeige „die“ Realität, es sei immer nur ein Ausschnitt. „Das ist kein Frisieren, kein Zensieren und kein Inszenieren. Das ist Journalismus, das ist die Auswahl von Bildern, Ausschnitten und Fakten. Das ist harte journalistische Arbeit, die sich an ethischen und handwerklichen Standards messen lassen muss“, schreibt Gniffke im Blog.

Herr Gniffke ist sich also nicht zu schade, Foto- und Filmjournalisten, die es sehr wohl als ihr Qualitätsmerkmal bezeichnen, die Realität hinter den Bildern auch eben durch jene Bilder darzustellen, in einen Topf mit den Inszenierungspfuschern zu werfen, die diese lumpige Inszenierung „medial“ aufgehübscht haben.

Und dass sich halt in der Realität auch unpassende Personen (N.Sarkozy) „hereinschmuggeln“ oder unerwünschte Personen (A. Merkel) von ausländischen Presseorganen einfach aus diesen „wunderschönen“ Fotos herausretuschieren lassen, gehört halt zum Handwerk, oder?

Ja, dann haben diese (Qualitäts-)Journalisten eben nicht daran gedacht auch entsprechende Gerätschaften,  die sie sonst als Paparazzis immer parat haben um in jede noch so entlegene Ecke hereinzuschauen, mit bei diesem „wichtigen“ Termin dabei zu haben. Oder noch schlimmer: Haben sie sich unter dem Hinweis auf „Sicherheitsbestimmungen“ zu den ausgestrahlten und abgedruckten  Kameraeinstellungen „überreden“ lassen.  Und warum hat kein Kommentator  und Berichtschreiber gefragt und  berichtet, warum die „Mächtigen“ dieser Erde so viel Schiss vor einer „trauernden“ Menge an Menschen haben? Und auch vielleicht berechtigterweise haben?

Ein Papst Franziskus – und ich bin kein Anhänger seiner Lehre- beeindruckt durch seinen unverkrampften Umgang mit Menschenmengen. Und verzichtet auf die ein oder andere unangemessene Inszenierung. Nach Ihrer Definition Herr Gniffke versagen die entsprechenden Sicherheitsbehörden also regelmäßig bei der Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien, da es ja schon in der Vergangenheit Attentate Oberhäupter der römisch-katholischen Kirche gab. Welch irrationale Logik.

Auch der Präsident von Uruguay, José Mujica hat in ähnlicher Weise agiert und beeindruckt.  Wenn es nun sein multimillionen schwerer und in der Vergangenheit korrupt aufgetretener Amtskollege aus Paraguay versucht durch Gehaltsverzicht nachzuahmen, kommt dabei ein ähnliches Zerrbild wie die Berichterstattung von Sonntag abend zustande.

Dieses obige „Sinnbild“ von der Trennung der „Mächtigen“ dieser Welt zu den von Ihnen regierten Menschen sollte im Gedächtnis bleiben. So sieht deren trauernde „Anteilnahme“ aus. Nicht an den Orten  der Attentate, nicht gegenüber den Angehörigen und Betoffenen und nicht mit aber im gespielten „Stil“ der Menschenmenge, die sie ja so gerne repräsentieren würden… Und sie sonnen sich im eitlen Glanze dieser vermeintlichen „Solidarität“…

Über thomrosenhagen

Hier: Ganz ohne Denkverbot - Dort: Ganz bei den Menschen + bei der Sache. - Dazwischen: Viel Platz für Phantasie und Kreativität. Vision: eigener Single Malt Whisky here: no scissors in my head there: near the people + near the reality between: plenty of room for imagination and creativity vision: own crafted malt Whisky
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