Und wann hat die deutsche Pressefreiheit ihre Unschuld verloren?

So unendlich viele BürgerInnen schauen heute voll geheuchelter Abscheu und gespielter Empörung auf die Vorgänge heute rund um den „Guardian“ und den britischen Geheimdienst und die Zerstörung der letzten Reste eines demokratischen Journalismus durch die britische Regierung.

Dabei ist es nur wenige Jahre her, daß sich auch die deutsche Medienlandschaft dem Diktat der Regierungsmacht beugen mußte beziehungsweise willig den Bückling gemacht hat. Im Vorfeld des denkwürdigen Fernsehauftritts von Frau Merkel und Herrn Steinbrück im Herbst 2008 („die Einlagen der deutschen Sparer sind sicher…“) gab es auf Druck von Herrn Ackermann (Deutsche Bank) einen medialen Geheimgipfel im Kanzleramt. Dort wurde den angetretenen Chefredakteuren der zehn wichtigsten deutschen Zeitungen unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß es ihnen im Sinne der nationalen Sicherheit verboten sei, über Engpässe bei der Auszahlung von Bargeld (insbesondere bei den 500 Euro-Scheinen, – die ja bekannterweise besonders beliebt für den Einkauf der Dinge des täglichen Bedarfs sind – Achtung Ironie!-) zu berichten, weil ein sogenannter „Bankrun“ unmittelbar dadurch hervorgerufen werden könnte.

Und keiner dieser illustren Herren (von Damen ist mir, abgesehen von der Kanzlerin, in dieser Runde nichts bekannt), die bezeichnender Weise auch heute noch so sehr auf ihre journalistische Unabhängigkeit pochen, ist aufgestanden und hat z. B. auch nur gesagt: „Habe die Ehre meine Dame, meine Herren, aber genau das, was wir heute hier erfahren haben, werden die Leser unserer Zeitung/Zeitschrift morgen früh zu lesen bekommen!“ KEINER!

Erst ein halbes Jahr später, nach der Bundestagswahl, haben sich einzelne Teilnehmer dieser Runde entsprechend geoutet. Aber da hatte die Finanzkrise auch schon richtig Fahrt aufgenommen und die Verdrängung unangenehmer Ursachen war in vollem Gange…

Soviel zu deutschem Demokratieverständnis von Angela Merkel und Peer Steinbrück!

Soviel zu dem hochgelobten deutschen Qualitätsjournalismus der wohlbekannten Blätter.

Soviel zum Thema Meinungsfreiheit!

Über thomrosenhagen

Hier: Ganz ohne Denkverbot - Dort: Ganz bei den Menschen + bei der Sache. - Dazwischen: Viel Platz für Phantasie und Kreativität. Vision: eigener Single Malt Whisky here: no scissors in my head there: near the people + near the reality between: plenty of room for imagination and creativity vision: own crafted malt Whisky
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