Eine andere Seite des Armutsberichtes

In einer Gesellschaft in der das Familienleben und die Familienpolitik auf eine möglichst frühzeitige, umfassende und dauerhafte Abgabe der Kindererziehung an den Staat zur Erzielung möglichst hoher Arbeitseinkommen geregelt wird ist das Ergebnis dieser Studie nicht schön aber fast zwangsläufig. Interessant werden erst die Langzeitwirkungen solchen Verhaltens. Aber auch da sind wir absurd konsequent unterwegs….

UNICEF-Studie zu Kindern in Industrieländern

Erfolgreich, aber unglücklich

Sie leben besser als die Kinder und Jugendlichen in den meisten anderen Ländern der Welt – und trotzdem sind viele Mädchen und Jungen in Deutschland unglücklich. Das hat eine Studie der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef ergeben. Demnach hat sich zwar die allgemeine Situation der jungen Generation in der Bundesrepublik weiter verbessert. Allerdings bewertet jeder siebte Jugendliche seine aktuelle Lebenssituation als mäßig bis negativ.

Ein Kind sitzt am Schreibtisch (Foto: dpa)Großansicht des BildesViele Kinder leiden unter Leistungsdruck, so die Studie.In keiner anderen Industrienation ist die Kluft zwischen den äußeren Lebensumständen und der Lebenszufriedenheit so groß wie in Deutschland. Wenn Lebensbedingungen wie relative Armut, Gesundheit oder Bildung bewertet werden, liegt Deutschland im Vergleich mit anderen Industrienationen auf Platz sechs. Gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2010 haben sich die Umstände sogar verbessert, damals lag Deutschland auf Platz acht.

In den fünf Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Sicherheit, Verhalten und Risiken, Wohnen und Umwelt sowie materielles Wohlbefinden belegte das Land damals zusammengefasst Platz acht. Diesmal liegt es auf Rang sechs.

Die Schüler hätten unter anderem bessere Werte bei den Pisa-Tests erzielt und rauchten seltener. Die bereits niedrige Zahl von Teenie-Schwangerschaften sei ebenfalls weiter gesunken. Was die relative Armut angehe, befinde sich Deutschland mit Platz 11 im oberen Mittelfeld der Industrieländer.

Bei der Selbsteinschätzung der Lebenszufriedenheit von Mädchen und Jungen ist Deutschland dagegen tiefer abgefallen als jedes andere untersuchte Land, von Platz zwölf auf Platz 22 von insgesamt 29 Ländern.

„Einseitige Konzentration auf Leistung“

Für Hans Bertram, Mitglied des Deutschen Unicef-Komitees und Professor an der Berliner Humboldt-Universität ist das ein vernichtendes Urteil. „Die deutschen Mädchen und Jungen stellen damit sich und ihrer Umgebung ein erschreckendes Zeugnis aus, das uns nachdenklich machen muss“, sagt Bertram. „Die einseitige Konzentration auf Leistung und formalen Erfolg führt dazu, dass sich viele Kinder und Jugendliche ausgeschlossen fühlen. Unsere an Ressourcen reiche Gesellschaft versagt offensichtlich dabei, allen Mädchen und Jungen Hoffnung und Perspektiven auf gerechte Teilhabe zu geben.“

„Wir müssen Kindern besser zuhören“

Nach Ansicht der Autoren der Studie reiche es nicht aus, auf formale Leistungen zu schauen. Eine große Zahl junger Menschen fühle sich ausgeschlossen und glaube nicht daran, „aktiv an der Gesellschaft“ teilhaben zu können, so UNICEF.

„Die Studie zeigt, dass die Politik sich nicht allein auf vermeintlich objektive Daten verlassen sollte“, so der Vorsitzende von UNICEF Deutschland Dr. Jürgen Heraeus. „Wir müssen Kindern und Heranwachsenden besser zuhören und ihnen mehr Möglichkeiten zur Mitgestaltung eröffnen.“

Alleinerziehende sind meist die ärmsten

Als Schlussfolgerung aus der Untersuchung fordert das Kinderhilfswerk von der Bundesregierung, die Gesundheit von Kindern stärker zu fördern, Kinderrechte zu stärken und Kinderarmut stärker zu bekämpfen. Die Politik müsse gezielt die wirtschaftlich schwächsten Familien unterstützen – das seien in Deutschland vor allem diejenigen mit einem alleinerziehenden Elternteil.

Vor allem aber, so UNICEF, dürften Politik, Medien und Forschung Kinder „nicht ausschließlich aus der Perspektive ihrer Leistungsfähigkeit beurteilen“. Das Wohlbefinden von Kindern müsse zur „Richtschnur der Politik von Bund, Ländern und Gemeinden“ werden, schreibt das Hilfswerk auf seiner Internetseite.

Für diese Untersuchung wurden diesmal in den 29 Ländern mehr als 176 000 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren befragt, in Deutschland rund 5000. Die besten Lebensbedingungen – auch nach subjektiver Einschätzung der Befragten – haben laut der Studie Kinder in den Niederlanden. Schlusslicht in beiden erhobenen Bereichen ist Rumänien.

  
  • Jugendliche in Deutschland sind unglücklich (UNICEF-Studie)
    tagesschau 17:00 Uhr, 10.04.2013 [Philipp Glitz, WDR]

Über thomrosenhagen

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