Reduzierung der Elternzeit – die feindliche Übernahme der Familie durch die Industrie

Da hat der Arbeitgeberpräsident endlich Farbe bekannt und die brave Klassensprecherin, Entschuldigung,  die Familien-Behinderungsministerin reagiert artig auf das hingeworfene Stöckchen:

Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) will die Elternzeit radikal kürzen, um Mütter schneller in den Beruf zurückzuholen. „Sobald der Ausbau der Kinderbetreuung gewährleistet ist, sollte die Elternzeit stufenweise auf zwölf Monate abgesenkt werden“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt der „Welt“. Deutschland habe mit bis zu drei Jahren die im europäischen Vergleich längsten Elternzeit. Dies wirke sich negativ auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus, meint Hundt.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) wies die Forderung zurück: „Wie Eltern in Deutschland die Betreuung ihrer Kinder in den ersten drei Jahren organisieren, ist zum Glück immer noch Sache der Familien und nicht des BDA. Und das wird auch so bleiben. Familien haben eigene Bedürfnisse und sind nicht ökonomische Verfügungsmasse.“ „Mit mir wird es keine Einschränkungen von Elterngeld und Elternzeit geben“, fügte die Ministerin hinzu.

Die Formulierung von D. Hundt ist entlarvend. Er rückt die Elternschaft in die Region eines Zugeständnisses der Arbeitgeber an die Eltern, in eine wie auch immer geartete Form des bezahlten Urlaubs vom Arbeitsleben einzutreten. Die Ökonomisierung der Familie wird hier in Form einer „feindlichen Übernahme“ praktiziert. Frei nach dem Motto: „Wir richten das, was ihr in der Politik nicht geregelt bekommt!“ Da hat sich die Industrie seit Jahrzehnten erfolgreich um die Familienpolitik gedrückt, oder anders gesagt, sie hat auch hier erfolgreich die Verluste sozialisiert und möchte sich jetzt in eine gute Ausgangsposition bringen um zu erwartende Gewinne für sich zu realisieren.

Und die „Klassensprecherin“ K. Schröder erhebt brav den erwarteten Einspruch und läßt sich mit dieser „Banane“ aus dem Urwald  locken und bemerkt dabei nicht einmal im Ansatz, wie die Industrie geschickt von den eigentlichen Themen ablenkt.

Wie wäre es denn, der Vereinigung der Arbeitgeberverbände vorzuschlagen, sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen und den Vorsitz jeweils nach einem Jahr wechselweise einer in den Beruf zurückkehrenden Mutter und dann im Folgejahr einem Mann (seltener als Rückkehrer aus Elternzeit) übergeben. Ich bin mir sicher diese Integration in den Arbeitsmarkt hätte eine charmante Strahlungswirkung. Und ich bin mir sicher wir wären in Zukunft vor solchen Hundt’schen Ausfällen geschützt.

 

Über thomrosenhagen

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